5. – 6. Schuljahr

Karl-Martin Ricker

Düfte des täglichen Lebens

Eine Fantasiereise und ein Experten-Kongress

Die Welt um uns herum ist voller Düfte. Aber mal ehrlich, wann achten Sie bewusst darauf? Wahrscheinlich nur in bestimmten Situationen. Sie schnuppern am Essen auf dem Herd oder am Blumenstrauß, den Sie gerade geschenkt bekommen haben. Angenehme Düfte beeinflussen unsere Stimmung, unangenehme Gerüche tun das ebenso.
Wir achten wenig auf die Tausend Düfte, die uns überall begegnen. Wir orientieren uns hauptsächlich mit den Augen. Informationen über Duftstoffe gelangen zunächst in das limbische System, einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil unseres Gehirns. Dort werden bestimmte Emotionen ausgelöst. Erst bei einer höheren Dosierung der Duftstoffe werden die Informationen auch zur bewussten Verarbeitung an unser Großhirn weitergeleitet. Unsere Stimmung wird also auch von Duftstoffen bestimmt, die am Rande unserer Wahrnehmungsgrenze liegen.
Ohne Geruch kein Geschmack
Dass Düfte unser alltägliches Leben beeinflussen, bemerken wir erst, wenn unser Geruchssinn zum Beispiel bei einer Erkältung stark eingeschränkt ist. Plötzlich schmeckt das Essen fade. Mit der Zunge unterscheiden wir nur fünf verschiedene Geschmacksqualitäten. Die vielen verschiedenen Aromen, die unsere Speisen enthalten, nehmen wir dagegen mit unserem Geruchssinn wahr.
Wahrnehmung mit den Sinnen
Im naturwissenschaftlichen Unterricht konzentrieren wir uns bei der Behandlung der Sinnesorgane in der Regel auf das Sehen und Hören. Diese beiden Sinne spielen bei der Orientierung in der Welt und bei der Kommunikation mit unseren Mitmenschen die wichtigste Rolle. An visuelle und akustische Eindrücke können wir uns oft noch nach vielen Jahren erinnern. Duftstoffe können wir dagegegen nur sehr schwer identifizieren, wenn wir ihre Quelle nicht sehen können. Bilder können wir vor unserem „geistigen Auge leicht abrufen. Stimmen vielleicht auch noch. Aber bei Düften ist das fast unmöglich.
Andererseits prägen uns Düfte, die wir in der Kindheit intensiv wahrgenommen haben, weil sie mit positiven oder auch negativen Erfahrungen verknüpft sind. Wenn wir so einen Duft nach vielen Jahren wieder riechen, dann erinnern wir uns auch an die damaligen Ereignisse. Umgekehrt funktioniert das auch. Bilder, die uns an unsere Kindheit erinnern, können manchmal auch die Erinnerung an einen damit verbundenen Geruch wachrufen.
Düfte im Nawi-Unterricht
Die Auseinandersetzung mit Düften und mit unserem Geruchssinn führt uns in eine Welt, mit der wir uns im Allgemeinen wenig befassen und über die wir wenig wissen. Gerade das macht dieses Thema auch für Schülerinnen und Schüler so spannend und interessant. Einerseits können sie ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen einbringen, andererseits können dort auch Aspekte zur Sprache kommen, über die wir sonst nicht so gerne reden: die unangenehmen Düfte. Spannend ist es auch, die eigene Wahrnehmungsfähigkeit von Düften zu testen und zu versuchen, diese zu identifizieren. Daraus ergibt sich die Frage, ob wir unseren Geruchssinn auch trainieren können.
Auf Fantasiereise gehen
Zum Einstieg in das Thema führe ich meine Neuntklässler auf eine Fantasiereise. Dazu bilden wir einen Stuhlkreis. Ich erkläre kurz mein Vorhaben und bitte darum, sich bequem hinzusetzen und die Augen zu schließen. Mit ruhiger Stimme fordere ich sie auf, zur Ruhe zu kommen, sich auf ihre Atmung zu konzentrieren und ihre Arme und Beine zu spüren. Im selben ruhigen Ton beginne ich dann mit der Beschreibung einer Reise in die Stadt.
Gerüche in der Stadt
Ich führe die Zuhörenden durch die Fußgängerzone. Wir schlendern vorbei an Parfümerien, Sportgeschäften und Boutiquen und betrachten die Auslagen. Vor den Cafés sitzen schon viele Leute und genießen die warme Frühlingssonne. Der Duft frisch gemahlenen Kaffees strömt in unsere Nase. Wir schlendern weiter. Langsam bekommen wir Hunger. Weiter hinten scheint es einen Schnellimbiss zu geben. Den Duft...

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