7. – 8. Schuljahr

Karl-Martin Ricker

Bauen mit Papier

Nachforschen, Modelle bauen, experimentieren und diskutieren

Häuser aus Papier? Was für eine verrückte Idee?! Papier ist ein ausgezeichnetes Material, um darauf zu schreiben, zu zeichnen und zu malen. Und auch als Bastelmaterial ist es hervorragend geeignet. Denn es gibt Papier nicht nur in unterschiedlichen Formaten, sondern auch in allen möglichen Farben, Papierstärken und Faserzusammensetzungen. Man kann Papier leicht verformen und verkleben, sodass z.B. Pappe daraus entsteht, aus der sich Kartons aller Größen herstellen lassen. Sie schützen zum Beispiel unsere Waren, die wir mit der Post verschicken. Im Technik- und Kunstunterricht bauen Schülerinnen und Schüler Kugelbahnen, Türme und Modellhäuser aus Papier.
Also warum nicht auch mal darüber nachdenken, ob Papier als Baumaterial für richtige Häuser verwendet werden kann? Schließlich wird Sand als unser wichtigster Baustoff in vielen Regionen der Welt und auch bei uns mit der Zeit immer knapper und teurer.
Mir erscheint es sinnvoll, unsere Schülerinnen und Schüler auch auf unkonventionelle Lösungsansätze aufmerksam zu machen. Wir brauchen schließlich auch im Bauwesen in Zukunft viele kreative Ideen, um den Bedarf an Wohnungen und damit auch an Baustoffen zu decken. Die klimaneutrale Herstellung und Verwendung der Baustoffe werden dabei eine ebenso große Rolle spielen wie ihre Recyclingfähigkeit.
Bauen im Nawi-Untericht
Bei uns ist im integrierten, naturwissenschaftlichen Unterricht für die Jahrgangsstufe 7/8 das Themenfeld „Bauen und Wohnen vorgesehen. Hier kann man unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Wichtig ist natürlich das Thema „Klimaschonendes Bauen und Wohnen mit einem Schwerpunkt in den Bereichen Heizenergie und Wärmedämmung.
Aber auch die Untersuchung der Eigenschaften von Baustoffen wie Beton, Kalk, Kalksandstein, Holz und Lehm bietet den Schülerinnen und Schülern interessante Forschungs- und Lerngelegenheiten. Dieses Spektrum möchte ich nun um den unkonventionellen Baustoff Papier erweitern.
Für den Einstieg in das Thema „Bauen und Wohnen habe ich schon immer die offene Aufgabe gewählt, ein „Haus aus Zeitungspapier zu bauen, in dem eine Person aus der Vierer- oder Fünfergruppe mindestens eine Minute lang sitzen kann, ohne dass das Haus zusammenbricht (siehe Arbeitsblatt 1 ).
Vorbild aus der Natur
Dafür gelten jedoch ein paar Regeln. Außer Zeitungspapier und Kreppklebeband dürfen keine weiteren Materialien verwendet werden. Das frei stehende „Papiergebäude soll so stabil wie nötig und so materialsparend wie möglich sein. Das reduziert gleichzeitig auch den Energieeinsatz. Diese Regeln für ökologisches Bauen leiten wir zuvor im Unterrichtsgespräch aus dem Bau von Schwalbennestern ab (siehe Abb. 1 ). Rauch- und Mehlschwalben bauen ihre Nester immer in der gleichen Größe. Instinktiv verschwenden sie dabei kein Material. Und sie bauen so stabil, dass die Nester oft für mehrere Generationen genutzt werden können. Darüber hinaus ist das Material aus feuchter Erde, Grashalmen und Speichel vollständig abbaubar. Diese energie- und materialsparenden Verhaltensweisen sind artspezifisch und den Tieren angeboren. Bei Schwalben hat es im Laufe der Evolution zu einer optimalen Nestform und Größe geführt, in der meistens vier bis fünf Junge Platz finden. Diesem Vorbild aus dem Tierreich gilt es nun nachzueifern.
Die Aufgabe zum Bau eines Papierhauses stellt für die Jugendlichen immer eine besondere Herausforderung dar, denn hier ist eine gute Kooperation Voraussetzung für den Erfolg. Um genügend Platz zu haben, verlagern wir den Unterricht in den Flur und in die Aula. Jede Gruppe bekommt einen Stapel alter Tageszeitungen und eine Rolle Kreppklebestreifen. Dann beginnt der Wettbewerb:
Wer baut das stabilste Haus mit möglichst wenig Material?
Die meisten Gruppen einigen sich in einer kurzen Planungsphase darauf, zunächst ein Grundgerüst aus Papierröhren zu bauen, um dann die Wände und das Dach...

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