9. – 10. Schuljahr

Udo Klinger

Papier für das Schreiben

Die Geschichte eines Kulturträgers

Papier es begegnet uns auf Schritt und Tritt in unzähligen Varianten und in einer Fülle von Anwendungen. Es ist kultureller Grundstoff und allgegenwärtiger Informationsträger, vom Einkaufszettel bis zur Blauen Mauritius, von der Tageszeitung bis zur Gutenbergbibel. Zur „Epoche des Papiers (Müller) gehören natürlich auch die papierenen Kunstwerke wie Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken. Dürfen wir auch die Fotografie dazu zählen, die lange auf das Fotopapier angewiesen war? Sicher, aber das war nicht immer so. Papier hat eine Geschichte und es hat Vorläufer.
Nicht nur für Schule und Unterricht, auch in diesem Beitrag stellen sich Fragen wie: Wo anfangen, wo aufhören, wie tief ausleuchten, führt das zu weit vom Thema weg? Deshalb, und weil es eine spannende Perspektive verspricht, soll im Folgenden von Papier als Werkstoff oder Verpackungsmaterial, als Dämmung oder Hygieneartikel abgesehen werden. Stattdessen wird ein roter didaktischer Faden in die Koevolution von Papier und (Schrift-)Kultur gelegt. Heißt: Papier ist zum Beschreiben im weitesten Sinne da! Könnte auch heißen: Ohne Papier hätten sich Schrift und alles, was in die kulturelle Folge gehört, nicht so entwickeln können, wie wir es heute zu schätzen wissen.
Deshalb verfolgen wir die eher technischen Aspekte ebenfalls in ihrer Historie, zwar als notwendige, aber für ein Verständnis der „Papierkultur keinesfalls hinreichende Bedingungen. Und so ist die Geschichte des Papiers immer mindestens auch Kultur- und Technikgeschichte. Wir folgen ihr in diesem Beitrag in acht markanten Schritten, ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Dabei werden jeweils einige zentrale Aspekte exemplarisch betrachtet. Zusätzlich werden darauf abgestimmt mit der Kartei weitere Anregungen für den Unterricht gegeben.
Noch eine letzte Vorbemerkung sei gestattet. Obwohl wir eine klare Entwicklung sehen, gekennzeichnet durch das Aufeinanderfolgen der Ideen und technischen Errungenschaften, ist die Geschichte des „Beschreibbaren doch auch ein gutes Beispiel für das Nebeneinander. Auch heute noch beschreiben wir nicht nur Papier, immer noch Wände, Körper und fast alles andere. Lassen Sie dies Ihre Schüler doch einmal zusammentragen und in der historischen Perspektive vergleichen. Didaktisch spannend wäre es auch zu klären, was die Synchronizität etwa von schriftlicher und mündlicher Übertragung, von Gedrucktem und Ungedrucktem oder Analogem und Digitalem für Folgen zeigt.
Der Urgrund im Archaischen
Wann genau die Menschen damit anfingen, weiß man nicht. Vieles ist nicht erhalten oder überliefert. Aber es waren Menschen! Durch den Menschen kam etwas völlig Neues in die Welt, etwas, das es bis dahin nicht gab, und etwas, hinter das man auch nicht mehr zurückkann. Wenn man so will: Kultur. Der Mensch homo culturalis hat gekritzelt, geritzt, bemalt und bedruckt, was ihm dafür wert und geeignet erschien, z.B. den eigenen Körper, Höhlenwände, Knochen, Zähne und Felle (siehe Abb. 1 ). Später Tongefäße, Keramiken und die wüsten Ebenen von Nazca in Peru. Und so ist es bis heute. Menschen bekritzeln alles: Bansky z.B. die urbanen Mauern, geschickte Asiaten Reiskörner, Piloten schreiben direkt in den Himmel. Und doch gerade im Vergleich ist Papier etwas Besonderes. Darum soll es im Folgenden gehen.
Auch über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren: Schmuck und Zierde? Die Freude an ästhetischem Erleben? Oder doch religiös bedingt, eher vom Nutzen geleitet, wie das Festhalten einer Rezeptur oder das Zählen der Tage?
Was auch immer Anlass für die grafische Gestaltung war, es führte zu einer gewissen Dauerhaftigkeit. Die „Botschaften ließen sich festhalten, man konnte gemeinsam damit umgehen. Und im Gegensatz zum Papier waren es Medien für die Ewigkeit. Oft ortsfest und nicht für die Verbreitung oder den Austausch gedacht.
Die Höhlenwände blieben an dem Ort, an dem...

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