5. – 10. Schuljahr

Karl-Martin Ricker

Besuch des Salzmuseums Lüneburg

Hard und Soft Skills beim Besuch außerschulischer Lernorte

Schulklassen bitte nicht ohne Führung!
„Das geht gar nicht! Schulklassen können wir unser Museum nicht ohne Führung erkunden lassen. Dann würde getobt und gelärmt, andere Besucher würden gestört und die Ausstellung würde darunter leiden. Diese Auskunft erhalte ich im Deutschen Salzmuseum an der Kasse, als ich die Idee äußere, Beobachtungsaufgaben für das selbstständige Erkunden des Museums zu entwickeln. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Klage an außerschulischen Lernorten höre.
Frau Lamschus, die Leiterin des Salzmuseums, beschreibt die Situation wie folgt: „Viele Klassen aus Lüneburg und aus der Region besuchen unser Museum. In der Regel sind die Jugendlichen motiviert. Sie wissen schon einiges über die Geschichte der Salzgewinnung und der Stadt. Sie stellen Verbindungen her zu Erzählungen aus ihren Familien und identifizieren sich mit der Geschichte. Sie verhalten sich während der Museumsführungen aufmerksam und lernbereit. Und dann gibt es die Klassenfahrten ...
Klassen aus Hamburg und ganz Deutschland besuchen unser Museum. Zuvor haben sie oft schon eine Führung im Rathaus hinter sich und haben die Stadt erkundet. Und dann kommen sie in unser Museum ... Viele Schülerinnen und Schüler sind dann überhaupt nicht mehr aufnahmebereit. Sie schauen ständig auf ihre Smartphones, packen ihre Süßigkeiten und Getränke aus, reden und lachen laut, während sich ein Museumspädagoge bemüht, die spannende Geschichte der Salzgewinnung vorzustellen.
Und dann äußert Frau Lamschus eine Bemerkung, die mich besonders trifft: „Manche Lehrkräfte geben ihre Verantwortung für die Klasse an der Kasse ab. Von da an sollen die Museumspädagogen für die Ordnung und Wissensvermittlung verantwortlich sein. Aber das geht oft schief. Auf Ermahnungen reagieren manche Jugendliche mit zynischen Bemerkungen. Es kommt immer wieder vor, dass wir der Gruppe vorschlagen, die Führung vorzeitig zu beenden, denn unter diesen Bedingungen wäre die Fortsetzung für alle unerfreulich.
Aus eigener, langjähriger Erfahrung weiß ich, wie viel Kraft und Konzentration es Lehrkräfte kostet, eine Klasse auf einem Ausflug zu begleiten. Bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel entstehen nicht selten peinliche Situationen, weil sich einzelne Schülerinnen und Schüler nicht benehmen können und auf unsere Ermahnungen nicht reagieren. Ähnliche Situationen habe ich auch schon bei Museumsbesuchen erlebt. Am liebsten würde man auf solche belastenden Arbeitstage verzichten. Aber das führt ja nicht zu einer Lösung des Problems.
Was interessiert Jugendliche?
Also versetzen wir uns mal in die Situation der Schülerinnen und Schüler während so eines Wandertages oder einer Klassenreise. Der Spaß soll an erster Stelle stehen. Die Jugendlichen möchten möglichst viel Freizeit und Freiraum haben, um mit der Clique etwas Spannendes zu erleben. Sie möchten dabei unbeobachtet sein, um auch in fremder Umgebung eigene Grenzen zu erkunden und probeweise zu überschreiten. Das kennen wir aus unserer eigenen Jugend.
Inzwischen haben sich aber die Lebenswelt und die häuslichen Situationen von Kindern und Jugendlichen stark verändert. Persönliche Bindungen in der Familie sind oft nicht mehr so stark. Wertmaßstäbe haben sich verschoben. Die Nutzung sozialer Medien für die ständige Kommunikation bestimmt nicht nur das Verhalten der jungen Menschen. Inzwischen sind auch manche Eltern mehr mit ihrem Smartphone beschäftigt, als sich ihren Kindern zuzuwenden. Informationen und Meinungen werden in Sekundenschnelle ausgetauscht. Die Selbstdarstellung im Netz ist enorm wichtig. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit ab, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren.
Einen Museumsbesuch gestalten
Wie also können wir eine Stadtbesichtigung und einen Museumsbesuch unter diesen Voraussetzungen für alle sinnvoll gestalten? Wozu machen wir das überhaupt? Uns...

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