5. – 6. Schuljahr

Karl-Martin Ricker

Experimentieren mit Kochsalz

Praktisches Arbeiten mit inhaltlichem Lernen verknüpfen

Löffel auf Löffel schaufelt Nina Kochsalz in ein Becherglas mit Wasser. Immer wieder rührt sie um. Das Wasser ist schon ganz trüb, aber am Boden hat sich noch nichts abgesetzt. Rund um das Becherglas haben sich kleine Pfützen gebildet, in denen sich ebenfalls beim Transport verschüttetes Salz löst. Meine Ermahnung, ihren Arbeitsplatz zu säubern, überhört die Fünftklässlerin. Sie ist voll und ganz bei der Sache. Sie beobachtet genau, was mit dem Salz im Wasser geschieht, und will herausfinden, wie viel Salz sie darin lösen kann. „Ich habe schon sechs Löffel Salz hineingegeben!, verkündet sie stolz.
Forschen im Spielmodus
Exaktes, naturwissenschaftliches Forschen sieht freilich anders aus. Nina befindet sich noch im Spielmodus. Sie hat Freude daran, etwas auszuprobieren und zu beobachten, was passiert. Auf exakte Messungen legt sie noch keinen Wert. Also, was soll ich tun? Soll ich sie ermahnen und zu sauberem Arbeiten anhalten? Die Versuchsanleitung (s.a. AB 1 ) liegt auf dem Tisch. Die hat sie nur kurz angeschaut. Die Frage „Wie viel Salz kann man in Wasser lösen? reizt sie so sehr, dass sie es sofort ausprobierten will. Andere Gruppen orientieren sich dagegen genau an den Vorgaben. Sie holen sich alle erforderlichen Materialien vom Rollwagen, füllen das Becherglas möglichst genau mit 500 ml Wasser, stellen ein zweites Becherglas auf die Waage, drücken die TARA-Taste und wiegen 100 g Salz ab (s. Abb. 1 ). Wenn sie jetzt Salz entnehmen, können sie die Differenz berechnen. Nicht alle Kinder achten auf sauberes Arbeiten. Salz rieselt auf den Tisch und auf die Waage. Niklas und Ben haben vergessen, die TARA-Taste zu drücken. Sie wiegen das Becherglas samt Salz und wundern sich, dass die Waage ab 200 g versagt.
Mit so vielen Schwierigkeiten habe ich nicht gerechnet. Erst während des Unterrichts bemerke ich, was die Kinder alles noch lernen müssen. Oft geht es dabei um ganz einfache praktische Dinge wie sauberes Hantieren mit Stoffen, die Benutzung einer Digitalwaage, das Ablesen des Wasserpegels am Meniskus und vieles mehr. Dennoch bin ich begeistert vom Forschergeist der Kinder, den sie beim Experimentieren in Tischgruppen an den Tag legen. Eine gute Voraussetzung für die weitere Arbeit. Ein Zuviel an Ermahnung und Reglementierung könnte die Motivation bremsen. Wie kann ich also dazu anleiten, das spielerische Experimentieren in ein systematischeres Vorgehen zu verwandeln?
In meiner I-Klasse geht das nicht bei allen Kindern gleich schnell. Vor allem Kinder mit Förderbedarf zeigen sich bei den praktischen Arbeiten sehr motiviert, aber die schriftlichen Anleitungen beachten sie viel zu wenig. Also gehe ich von Tischgruppe zu Tischgruppe, beobachte und gebe kleine Tipps: „Schau mal, Fatma, wenn du die Strecke zwischen der Salzpackung und dem Becherglas verringerst, verhinderst du, dass du Salz verstreust. „Hallo Christoph, auf deiner Waage liegt Salz. Welches Problem bekommst du dadurch für deine Messungen?
In der anschließenden Versuchsauswertung mit der ganzen Klasse geht es mir nur in zweiter Linie um das Ergebnis des Versuchs. Viel wichtiger ist es, mit den Kindern gemeinsam darüber nachzudenken, welche Fehler sie künftig vermeiden können. Fatma kann jetzt zeigen, wie sie Salz mit dem Löffel transportiert, ohne etwas zu verschütten. „So ein bisschen Salz macht doch nichts!, wendet Robert ein. „Stimmt. Aber ihr arbeitet demnächst auch mal mit giftigen oder ätzenden Stoffen. Deshalb üben wir das jetzt mit dem harmlosen Salz, erwidere ich.
Experimentieren mit Kochsalz
Versuche mit Kochsalz und Wasser sind sehr gut geeignet, um das Experimentieren zu lernen und zu üben. Man kann sie gut für Lehrplanthemen wie „Stoffe des Alltags oder „Wasser als Lebenselement nutzen. Je nachdem, ob das Salz oder das Wasser im Fokus stehen, kann man die hier vorgestellten Anregungen für Versuche...

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